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Piercing Thailand – das Vegetarian Festival

Phuket, eine Insel Thailands, steht für das Vegetarian Festival. Ein Ritual für das sich Hunderte von Menschen weiß kleiden und sich vor dem Tempel Bang Niao versammeln. Dazu gibt es monotone Trommeln und die Menschen murmeln Gebete. Dazu gibt es beißenden Weihrauch und die Abbilder der Neun Kaiserlichen Götter auch Kiu Ong genannt, die von dem Weihrauch umnebelt werden. Einige junge Männer fahren mit dem Moped in den Hof des Tempels und haben eine Peitsche dabei.

Der Beifahrer ist dazu noch mit Stahlspießen bewaffnet, die absolut lang sind. Einige Männer massieren sich die Wangen, die vernarbt sind. Andere Leute haben schon einen tranceartigen Zustand erreicht. Dann springt plötzlich einer an den Altar, dort schreit er laut und klatscht auf den Schrein. Nun springen direkt seine Helfer an seine Seite und reißen ihm das Hemd von der Brust. Nun bekommt er eine bunte Schürze an, somit ist er das Medium der Kiu Ong. Währenddessen werden Feuerwerkskörper gezündet, denn die vertreiben böse Geister. Es gibt immer gleich mehrere Medien und diese sind umringt von der Presse und auch von Schaulustigen, obwohl sich manche Menschen recht schnell angeekelt wegdrehen. Denn der Piercer sticht mit erheblicher Kraftanstrengung eine große Stahlnadel in die Wange eines Mediums. Die Spitze der riegengroßen Nadel ist messerscharf und doch fließt beim Stechen noch kein Blut. Der Piercer treibt die Nadel tiefer auf bis zu 10 cm und das Medium hat die Augen weit geöffnet, während die Pupillen sich nach hinten drehen. Das Medium gibt keinen Laut von sich, die Trance ist zu stark. Wenn ein Medium ohnmächtig wird, Schmerzen spürt oder doch stark blutet, gibt es zu, nicht enthaltsam genug gewesen zu sein und nicht die rechte Reinheit durch Gebete erreicht zu haben.

Wieder zurück, der Piercer zieht die Nadel raus, die Wunde ist offen und Helfer führen nun das Objekt für das Ritual ein, es sind zwei Stahläxte die das Gesicht des Mediums verzerren. Das Ritual wird nicht nur bei Frauen angewandt, sondern auch bei Männern und die Prozession setzt sich langsam in Bewegung. Die Feuerwerkskörper um sie herum. Nach vielen Stunden wird der Tempel erreicht und jedes Medium wird aus der Trance geholt. Nun folgen noch taoistische Rituale zu Ehren des Kiu Ong.

Für diese Tradition gibt es keinerlei Beweise, dass sie schon vor 1900 an anderen Stellen stattgefunden habe. Vor 1950 ist dieses Ritual gar nicht dokumentiert worden, weshalb man wohl davon ausgehen muss, dass es dann erstmalig durchgeführt wurde. In den  letzten Jahrzehnten auf jeden Fall hat sich das Ritual über ganz Südthailand gezogen. Es nimmt weiterhin extreme Formen an und zieht natürlich auch die Besucher an. Gerade die Faszination des Schreckens sorgt wohl dafür, dass das Ritual genügend Teilnehmer hat und auch viele Zuschauer.

Hier zählt aber nicht nur der Geltungsdrang, sondern es geht auch darum, den Medien und den Besuchern die Sünden zu nehmen. Das Medium segnet die Besucher am Straßenrand. Ein Ritual das wirkt wie ein christlicher Kreuzweg. Aber ebenso besteht so die Chance für junge Männer und Frauen aus armen Verhältnissen, sich in der Gemeinde hervorzuheben. Die älteren Teilnehmer repräsentieren höhere Götter, zu denen sie sich durch all die Rituale Jahr für Jahr, hochgearbeitet haben. Man darf auch nicht den Aspekt der Reinigung und des Fastens vergessen, ebenso wie die Gebete, an denen fast das ganze Land teilnimmt. In der  heutigen Zeit wird das Festival auch dazu genutzt, Familie und Freunde zu treffen und gemeinsam die Gemeinschaft durch die Rituale zu stärken. Für die Kosten kommen chinesische Triaden und Geheimbünde auf.  In den Tempeln übrigens gibt es kostenloses vegetarisches Essen und das für jede Person.

 

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