| Tattoo Bedeutung |
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Insgesamt bietet sich ein breites Spektrum der unterschiedlichsten Funktionen und Bedeutungen der Tätowierung. Betrachtet man die in der relevanten Literatur beschriebenen Funktionen als Mitgliedszeichen, rituelles oder sakrales Symbol, Ausdrucksmöglichkeit für Abgrenzung (siehe auch Bourdieu) und Exklusivität, Mittel zur Verstärkung sexueller Reize, Schmuck, Protest (Punk) und nicht zuletzt die der politischen Stellungnahme, so ergeben sich bei genauerem Hinsehen signifikante Übereinstimmungen dieser zunächst recht zusammenhanglos erscheinenden Bereiche. Mit sogenannten Knast-Tattoos können Rangfolgen und „Kastenzugehörigkeiten“ etwa durch das Kreuz der Diebe dargestellt werden, sowie Funktionen, die der Häftling während der Gefangenschaft innehatte, wie beispielsweise „Schläger“, „Rowdy“, „Aufrührer“ oder „Boss“. Darüber hinaus gibt es Kennzeichnungen für Mörder oder „Lebenslängliche“, und auch die Meinung zur Justiz bis hin zu offenen Drohungen oder gar erfolgreich ausgeführte Rache können als Tätowierung kundgetan werden. Auch sexuelle Einstellungen lassen sich aus Tattoos herauslesen. Angaben, in welchen Gegenden man bereits inhaftiert war, die Sehnsucht nach Freiheit oder der Vorsatz auszubrechen sind ebenso Themen wie die Anzahl der abzusitzenden Jahre, beispielsweise in Form von Abbildungen, die dies in der Anzahl der Holzscheite unter einem Feuer oder der Stachel am Stacheldraht zeigen.
Tätowierung zur KennzeichnungIm Nationalsozialismus wurden den Insassen eines Konzentrationslagers Häftlingsnummern eintätowiert. Aber auch Mitglieder der SS besaßen Tätowierungen (linker Oberarm innen), die Auskunft über ihre Blutgruppe gaben. Vielen Haustieren wird ein Identifikationscode in die Haut tätowiert, damit die Tiere bei Verlust dem Halter zugeordnet werden können; bei Zuchttieren ist ebenfalls eine Tätowierung zwecks Identifikation üblich. Bei Nutztieren war lange Zeit das Brandzeichen üblich.
Tätowierung als Permanent-Make-UpEine Sonderform ist das sogenannte Permanent-Make-Up, bei dem kein Ornament, keine Bilder und keine Zeichen aufgebracht werden, sondern die Konturen von z. B. Augen, Lippen usw. hervorgehoben bzw. nachgezeichnet oder schattiert werden. So lassen sich auch OP-Narben kaschieren oder z. B. eine neue Brustwarze erstellen. Das Permanent-Make-Up wird nicht ganz so tief gestochen wie eine übliche Tätowierung. Sie wird lediglich in die ca. obersten drei Hautschichten gestochen, deshalb verblasst bzw. verschwindet dieses auch mit den Jahren.
Gesellschaftliche Bedeutung in JapanEine sehr lange Tradition haben Tätowierungen (jap. Irezumi) in Japan. Die Anfänge der Tätowierung in Japan liegen vermutlich bei den Ainu. Zu Beginn der Edo-Zeit (1603–1868) waren Tätowierungen unter anderem bei Prostituierten und Arbeitern sehr beliebt. Ab 1720 wurde die Tätowierung als eine Art Brandmarkung für Kriminelle eingesetzt, was dazu führte, dass sich „anständige“ Japaner keine Tätowierungen mehr machen ließen. Wer auf diese Weise gezeichnet war, konnte sich nicht mehr in die Gesellschaft eingliedern, was zur Bildung einer eigenen Schicht führte: den Yakuza. Unter der Meijiregierung wurde 1870 diese Praxis zwar abgeschafft, allerdings wurden auch die Tätowierungen komplett verboten, was erst 1948 wieder aufgehoben wurde. Obwohl stilistisch sehr einheitlich, gibt es eine große Vielfalt an Motiven. Oft sind es mythologische Wurzeln, wie in Form von Drachen oder Dämonen, die häufig aus Sagen stammen und eine ganze Geschichte erzählen. Oder es gibt Symbole wie Kirschblüten (Schönheit und Freude, aber auch Vergänglichkeit) und Kois (Erfolg, Stärke und Glück). Ein interessanter Stil mit blutigen und grausigen abgehackten Köpfen entwickelte sich, als gegen Ende des 19. Jahrhunderts Gruselgeschichten in Japan äußerst populär wurden. Eine typisch japanische Eigenart ist, sich zeitlebens nur von einem einzigen Künstler tätowieren zu lassen; oftmals entstehen daraus über Jahre hinweg großflächige Gemälde auf dem ganzen Körper, die schließlich vom Künstler sogar signiert werden. Auf Grund ihrer Geschichte sind Tätowierungen in Japan noch immer stigmatisiert und werden oft als Verstrickung ins kriminelle Milieu interpretiert. Sie sind noch immer ein wichtiger Bestandteil der Yakuza-Kultur (vor allem die den kompletten Torso einnehmenden, sogenannten Bodysuits). In manchen öffentlichen Bädern wird Menschen mit großflächigen Tätowierungen immer noch der Eintritt verweigert. Aber ebenso wie im Westen werden Tätowierungen gerade bei jungen Japanern immer beliebter und dadurch einer breiteren Gesellschaftsschicht vertraut. Heutzutage gibt es in Japan viele weltweit bekannte Tätowierer (zum Beispiel Horiyoshi III), die ihr Können jeweils an ihre Schüler weitergeben. Andererseits geht durch die Tatsache, dass die Yakuza mittlerweile verboten ist, die Verbreitung von Tattoos unter Gangmitgliedern zurück, da diese keine Aufmerksamkeit wecken wollen. Somit löst sich in Japan die Verbindung zwischen Kriminalität und Tätowierung. In letzter Zeit erfreuen sich auch in westlichen Kulturen Tätowierungen im japanischen Stil wachsender Beliebtheit.
Gesellschaftliche Bedeutung in der westlicheWelt [Besonders deutlich tritt zutage, dass die Tätowierung bei all den beschriebenen Funktionen eine eminent wichtige Rolle bei der Regulierung des sozialen Miteinanders hat. Egal ob es sich hierbei um die Stärkung des Gruppenzusammenhangs, die lebens- und überlebensnotwendige Hervorhebung oder Abgrenzung von anderen Individuen oder die Artikulation von politischer Kritik handelt, wirkt die Tätowierung als Vermittler oder Katalysator zwischen verschiedenen Gruppen und/oder Individuen. Auffällig ist, dass es sich bei den beschriebenen Bereichen grundsätzlich um Problemlagen oder Situationen handelt, die eine tiefe emotionale, häufig sogar existentielle Bedeutung für das Individuum oder die Gruppe haben. Dieser Umstand beantwortet möglicherweise auch die Frage, warum die hier von der Tätowierung übernommenen Funktionen bis heute nicht durch andere, zeitgemäßere Interaktions- bzw. Kommunikationsmittel übernommen wurden. Kein anderes Medium bietet eine so tiefe physische und psychische Nähe zum Träger / Akteur wie die Tätowierung. So erscheint es nur konsequent, wenn sich die betroffenen Individuen ihrer – oberflächlich betrachtet entgegen aller Opportunität und Vernunft – bedienen. Handelt es sich bei den betreffenden Individuen ohnehin um Personen oder Gruppen, die kein ernsthaftes Interesse – oder keine Hoffnung – auf eine Veränderung der augenblicklichen Situation haben, wird die Wahl einer Tätowierung als adäquates Ausdrucksmittel umso nachvollziehbarer. Als Fazit bleibt festzuhalten, dass der Tätowierung auch heute eine, wenn auch nur für eine begrenzte Anzahl von Individuen, wichtige Bedeutung innerhalb der Sozialbeziehungen zukommt. Diese Funktion kann sie nur deshalb erfüllen, weil sie immer sowohl einen intra- als auch einen interpersonellen Charakter hat. Das Christentum steht im Alten Testament ablehnend dem Tattoo gegenüber. Es steht geschrieben: „Und einen Einschnitt wegen eines Toten sollt ihr an eurem Fleisch nicht machen; und geätzte Schrift sollt ihr an euch nicht machen. Ich bin der Herr.“ (3. Mose 19,28). Dies bezieht sich jedoch eindeutig auf heidnische Praktiken und nicht auf den Vorgang des Tätowierens an sich. Früher war es unter den Heiden üblich, sich die Namen eines Verstorbenen einzuritzen, daher das biblische Verbot. Gegen eine christliche Tätowierung ist seitens der Bibel aber nichts einzuwenden. Aber auch ganz abgesehen von religiöser Einstellung gibt es Menschen, die Tätowierungen ekelhaft und abstoßend finden. Insbesondere Frauen werden bei hochklassigen Veranstaltungen aufgrund eines Tattoos, das bei einem Abendkleid sichtbar ist, abfällig belächelt. In einigen Subkulturen ist es teils genau andersrum, dort verleiht das Tattoo seinem Träger Ansehen und eine Gruppenzugehörigkeit. Tätowierungen hatten ursprünglich im Westen das Stigma des Matrosen oder Sträflings, erfreuen sich aber spätestens seit den 1990er Jahren wieder größerer Beliebtheit und sind vorwiegend Ausdruck einer Jugendkultur, die im Rahmen ihrer auf das äußere Erscheinungsbild gestützten Identitätsfindung auch mit Techniken wie dem Piercing, Branding auf archaische Praktiken vorzivilisatorischer Kulturen zurückgreift. Auch in die Welt der Kinder ist die Tätowierung mittlerweile vorgedrungen, wenn auch nur in Form von Klebebildern, die sich leicht wieder entfernen lassen, aber auch unter dem Begriff Tattoo firmieren. Analog dazu finden sich auch sogenannte Hennatattoos, die nicht in die Haut gestochen sondern aufgemalt werden. Hierbei wird nur die Hornschicht der Oberhaut eingefärbt. Da diese verhornten Zellen kontinuierlich abschuppen, verschwindet die Tätowierung nach einigen Wochen spurlos. Diese Entwicklung zeigt ebenfalls die Annäherung des Tattoo an den Mainstream, ermöglicht sie doch eine Tätowierung gleichsam als Modeaccessoire. Auch das Phänomen des Biotattoos ist bekannt. Angeblich verschwindet diese Art der Tätowierung nach einigen Jahren von selbst wieder, weil nicht so tief gestochen wird. In Wirklichkeit geschieht das aber nur in den seltensten Fällen, wenn überhaupt, da es quasi unmöglich ist, so genau zu arbeiten, dass weder zu flach (die Tätowierung verschwindet schon während der Heilung) noch zu tief (die Tätowierung bleibt) gestochen wird. Mindestens Teile oder ein Schatten der Tätowierung bleiben zumeist erhalten und verzieren den Körper für immer. Daher wird von seriösen Tätowierern vor solchen Biotattoos gewarnt; außerdem würden sie ohnehin den Charakter der Tätowierung verfremden.
Häufige Motive und neue TrendsDa Tätowierungen in gewisser Weise als eine Art Modetrend anzusehen sind, sind immer wieder bestimmte Motive, die sehr stark verbreitet sind, festzustellen. In den 1990er-Jahren waren zum Beispiel sogenannte Tribal-Tattoos sehr beliebt, bei weiblichen Trägerinnen häufig unter der Bezeichnung Arschgeweih auf dem Steiß platziert. In jüngster Zeit erfreuen sich unter anderem Sterne und Schwalbenmotive großer Beliebtheit. Einen weiteren Trend stellen sogenannte Geek- oder Nerd-Tattoos dar. Die Motive stammen in der Regel aus dem akademischen oder Computerbereich und spiegeln die wachsende Popularität von Geekstyle und Nerdcore wieder. Aus den USA wird berichtet, dass dort der sogenannte Fingerstache ([ˈˈfiŋ-gərs-ˌtash]), ein auf den Zeigefinger tätowierter Schnurrbart, als neuer Trend feststellbar ist. Bei dem Namen handelt es sich um ein Portmanteau aus dem englischen Wort für Schnurrbart (moustache) und finger. Der Witz besteht darin, dass der Träger einen falschen Schnurrbart bekommt indem er den Zeigefinger unter die Nase hält und somit vermeintlich unerkannt bleibt. Inzwischen finden sich auch, auf dem Prinzip des Fingerbart aufbauend, ähnliche Motive. So lassen sich Menschen Tränen auf den Fingerknöchel tätowieren, um mit einem unter das Auge gehaltenen Finger symbolisch Trauer ausdrücken zu können(quellewww.wikipedia.org) |








