Schausteller und Tätowierungen

Schausteller und Tätowierungen

FXQuadro/shutterstock.com

Niemand war so berühmt wie Omai, woran auch immer dies lag, vielleicht auch an den Medien, die von der Kunst auf dem Körper berichteten! Damals waren tätowierte Menschen auf jeden Fall sehr begehrt, wurden herumgezeigt, wurden an Schausteller und Gaukler verkauft, um die Welt zu bereisen und sie den Menschen vorzuzeigen.

Dazu wurden sogar tätowierte Südseeinsulander im 18. Jahrhundert verschleppt. Man hat die Menschen einfach aus der Heimat verschleppt, nur um sie auszustellen und schaulustigen Menschen vorzuführen. Anders als die schon bereits drei genannten Südseeinsulaner die freiwillig in die bessere Gesellschaft eingeführt wurden, hatten die verschleppten Menschen kein schönes Leben.  Sie waren Kuriositäten unter vielen, auf der Reise mit den Schaustellern, sie lebten mit Zwergen, mit bärtigen Damen, mit Zauberkünstlern und Schlangenmenschen und wurden zur Schau gestellt, ob sie wollten oder nicht!

Im Jahre 1722 gab es auf den deutschen Jahrmärkten gleich zwei amerikanische Printzen, wie man sie nannte. Sausse oke Charings und Tuskee Stannagee gab es zu bewundern. Vor dieser Zeit gibt es leider nur Vermutungen über tätowierte Menschen auf den Jahrmärkten, aber keine klaren Fakten. Lediglich ein Flugblatt aus dem Jahre 1503 deutet darauf hin, weil auf diesem Flugblatt eine gemalte Jungfrau zu finden war, mit Malen auf Brust und Beinen. Auch sie wurde zur Schau gestellt und bei den Malen könnte es sich schon um Tätowierungen gehandelt haben! Ab dem 18. Jahrhundert hingegen häuften sich die Beweise. Nicht nur die oben bereits erwähnten Südseeinsulaner und die verschleppten Einheimischen wurden herumgereicht. Nein, auch die Europäer die von Kriegs- und Handelsschiffen geflohen sind und an die Strände der Südseeinseln gespült worden sind, hatten Tätowierungen. Denn bei den Einheimischen auf den Inseln war die Körperbemalung normal und die Europäer wollten sich anpassen und haben sich somit auch für die Tätowierung entschieden. Viele Europäer lebten über Jahre zwischen den Einheimischen, auf zwei traf eine Südseeexpedition im Jahre 1804 unter der Leitung Krusensterns. Dies waren der Engländer Roberts und der Franzose Jean Baptiste Cabris die auf der Insel Nukaiva lebten, sie waren besonders stark tätowiert und gaben den Forschern Informationen und mussten als Dolmetscher fungieren. Cabris verließ mit den Forschern die Inseln und stieß in Europa mit seiner Lebensgeschichte auf großes Interesse. Das Expeditionsmitglied Langsdorff schrieb über Cabris, dass dieser mit seinem seltsamen Schicksal und seinem tatauierten Körper die Aufmerksamkeit vieler Menschen auf sich zog. Dass er in Moskau und auch in St. Petersburg im Theater wie die Wilden selbst tanzte und selbst von den ganz Großen aus dem Reich als Seltenheit betrachtet wurde. Cabris nutzte dies für sich und begab sich freiwillig als Schausteller auf Reisen und verdiente als erster Weiße, mit seinem Aussehen und seinen Geschichten seinen Unterhalt. Selbstverständlich passte er seine Geschichten dem Publikum an, ganz nach dem Geschmack der Menschen!

Immer wieder gab es tätowierte Menschen, die für Aufsehen sorgten. So war der Nachfolger von Cabris der Tätowierte von Birma, der auch der Albanese oder auch der Türke Georgi, wie auch Grieche Alexandrinos genannt wurde, weil er unter diesen Namen ab 1872 auftrat. Dieser Herr war sehr interessant, denn er erzählte über seine Körperkunst die verschiedensten Geschichten. So zum Beispiel dass er sie habe, weil er als Goldgräber tätig war und von Einheimischen gefangen genommen worden war, die ihm die Tätowierungen dann einfach gemacht hätten. Der Tätowierte von Birma hatte 388 Hautbilder (fast alle waren seltene Tiere) und die Wissenschaftler untersuchten jede einzelne, um den Tätowierten von Birma zu bescheinigen, dass diese Tätowierungen wirklich birmanesischen Ursprungs waren. Dieser Mann war wohl der einer der letzten Personen, die mit ihren bezaubernden Geschichten zu den Tätowierungen, die Menschen faszinieren konnten. Denn natürlich hatten sich die meisten freiwillig tätowieren lassen und da immer mehr tätowierte Menschen in Europa auftauchten und abenteuerliche Geschichten zu erzählen hatten, starb irgendwann die Sensationslust der Menschen, dies geschah im zweiten 19. Jahrhundert, wo es aber gleich die neue Sensation gab, nämlich tätowierte Frauen! Die erste Frau, die viele Menschen begeisterte, wurde La belle Irene genannt, mit bürgerlichen Namen hieß diese Dame jedoch Irene Woodward. Ihr folgten zwei weitere Damen und sogar ein verheiratetes Ehepaar. In der heutigen Zeit ist die Tätowierung eigentlich nichts Besonderes mehr und doch gibt es noch einige Schausteller, die ihre Tätowierungen präsentieren. Der bekannteste Schausteller ist ThEnigma, ein Mann der auch Puzzlemann genannt wird, weil der ganze Körper von blauen Puzzeln bedeckt ist. Dieser Mann trat lange Zeit in der Jim Rose Circus Sideshow auf, wo immer neue Tabus nicht nur entdeckt, sondern auch überschritten wurde. Jetzt aber hat er mit seiner Frau Cat eine eigene Show, denn auch seine Frau stellt sich gerne zur Schau, da sie wie eine gestreifte Katze tätowiert ist. Besonders bekannt ist auch der Löwenmann, der sich im Alter von 50 Jahren ein leopardenartiges Muster tätowieren lassen hat. Er verdiente von da an, sein Geld als Schausteller.

 

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